15 Jahre lebendige Partnerschaft Waldthurn und Hostau – Beeindruckende Bilanz

Waldthurn/Hostouň. Vermutlich muss man in der Region weit gehen, um eine dermaßen lebendige und gelebte Partnerschaft zwischen einen böhmischen und bayerischen Ort zu finden. Am 27. November 2019 hatte der Markt Waldthurn unter der Federführung von Bürgermeister Josef Beimler die tschechische Partnerstadt Hostouň / Hostau in das Waldthurner Rathaus eingeladen, um das 15-jährige Partnerschaftsjubiläum mit einem Festakt zu begehen. Neben dem Hostauer Bürgermeister Miroslav Rauch waren dessen Stellvertreter Karel Brabec und Milos Hutkay, der Stadtrat, die Leiterin des Hostauer Kindergartens und eine Vertreterin der Schule aus Böhmen angereist.

Eine Abordnung der „Historisch Hochfürstlichen Grenadiergarde der Gefürsteten Grafschaft Sternstein“, die beiden Waldthurner Bürgermeister Roman Bauer und Hans-Peter Reil, der Marktrat, Pfarrer Norbert Götz und Vertreter der Vereine waren ebenfalls im Waldthurner Rathaus anwesend. Auch die Rektorin der Wolfgang-Caspar Printz Grundschule Waldthurn Carina Hartwig und die Leiterin der Kita St. Josef Sonja Kick machten ihre Aufwartung.

Musikalisch zeigte sich die Bläsergruppe um Konstantin Stahl, Lukas Kleber, Sebastian Daubenmerkl, Simon Schwab und Renate Voit instrumental für den Festakt verantwortlich. Die Gruppe Triangel mit Doris Völkl, Andrea Götz und die an diesem Tag Geburtstag feiernde Steffi Daubenmerkl sorgten für einen gesanglichen Rahmen, der sich sehen und hören lassen konnte. So sangen sie neben der wahren Freundschaft ein Oberpfälzer Kartoffellied, das sie teilweise zur Würdigung ihrer Freunde jenseits der Grenze und zu deren Freude in tschechischer Sprache intonierten. „Das ist das erste Mal, dass ich in den letzten 15 Jahren ein Lied über die Oberpfalz in tschechischer Sprache gehört habe“, meinte Bürgermeister Rauch gerührt. Der Text sei fast so schön wie die tschechische Nationalhymne.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) hatte hinsichtlich des Jubiläums perfekte Arbeit geleistet und begleitete den Festakt mit einer Ausstellung, die 15 Jahre Partnerschaft beleuchtet. Der 1. Vorsitzende des HAK, Georg Schmidbauer aus Oberbernrieth meinte, ihn sei sofort klar gewesen, dass man sich als HAK hinsichtlich dieses Jubiläums und diesem bemerkenswerten Akt einbringen müsse. So beschloss der HAK, die verschiedenen Ebenen der Partnerschaft in Wort und Bild aufzuzeigen. Schmidbauer nannte seinen HAK – Stellvertreter Josef Forster als den „Macher“ des Vereins, der passendes Bildmaterial sammelte und aus einem Sammelsurium von 3.000 Bildern auf zehn Tafeln mit Hilfe von Rainer Sollfrank zusammengestellt hat. „Schuld ist immer der Bürgermeister“, meinte Forster ganz freundschaftlich, als er kurz den Bildband vorstellte (Bildband herunterladen).

Auf 128 Seiten platzierte er unter dem Titel „15 Jahre lebendige Partnerschaft – 15 let proziteho partnerstvi“ den zweisprachigen Bildband mit 300 Fotos, der die Aktivitäten der letzten 15 Jahre dokumentiert.

Gastgeber Bürgermeister Josef Beimler sagte, dass diese Partnerschaft lebt, von gegenseitigem Respekt und einem freundschaftlichen Miteinander geprägt ist. Es sei ein Glücksfall gewesen, dass der damalige Bürgermeister Franz Bergler auf der Suche nach einer Partnerschaft auf die Stadt Hostouň gestoßen sei. Niemand konnte damals ahnen, dass sich im Laufe der Jahre eine der besten Partnerschaften zwischen Bayern und Böhmen entwickeln würde. Angefangen bei den Kleinsten in den Kindergärten und Schulen, über die Vereine bis hin zu den politischen Gremien stehen ständige Kontakte und eine herzliche Zusammenarbeit auf der Tagesordnung. Beimler zitierte seinen tschechischen Bürgermeisterkollegen Rauch „Eine Welt ohne Freunde ist eine Welt ohne Sonne“. Allein dieser Satz sage alles über die Zusammenarbeit.

Beimler gedachte in seiner Rede der leider verstorbenen Janka Gollwitzer. „Ohne sie und ihren eindrucksvollen Einsatz voller Herzblut gäbe es die Partnerschaft so wie sie heute ist nicht“. Beimler dankte dem beim Festakt als Dolmetscher fungierenden Partnerschaftsbeauftragten Uli Völkl, den beiden Auslandsbeauftragen Maria Greim und Georg Bocka sowie der „Ständigen Vertretung in Hostau“ in den Personen Dieter Zeus, Franz Pflaum, Helmut Gollwitzer und Hermann Weig. Die beiden Kommunen tauschten Geschenke aus – so erhielt die tschechische Delegation eine große Flagge in den Waldthurner Farben und eine Silbermünze 800 Jahre Waldthurn. Beimler konnte ein große Luftaufnahme der Ortschaft Hostau in Empfang nehmen.

Rauch ging in seinen Ausführungen auf einige wichtige Jubiläen ein, die in der Tschechischen Republik in diesem Jahr gefeiert werden. Er nannte unter anderem 600 Jahre Prager Fenstersturz, 150 Jahre böhmische Feuerwehr, 101 Jahre Gründung des tschechischen Staates, das Ende des zweite Weltkrieges vor 75 Jahren, erste Mondlandung vor 50 Jahren und vor 20 Jahren trat Tschechien der Nato bei. Rauch meinte in seiner sehr launigen Rede, dass es in seinem Heimatland alljährlich am 25. November eine Feier des internationalen Tages des Nichtkaufens gebe. Schließlich nannte Rauch als Höhepunkt für seinen Ort den 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommen zwischen Hostouň und Waldthurn. Das Hostauer Stadtoberhaupt glänzte mit einigen bayerischen Redenarten wie „Hanswurst, Holz vor der Hütte, Koi Weib koi Gschrei oder auch Gott erhalte mir meine Gesundheit und die Arbeitskraft meiner Frau!“, die er in den eineinhalb Jahrzehnten gelernt hatte und in perfektem Deutsch von sich gab. Rauch erinnerte an den 13. März 2004, an dem man den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet hatte. Viele Unternehmungen habe man gemeinsam durchgeführt.

Regelmäßig treffen sich die beiden Kindergärten, die Schulen, Feuerwehrleute, Gemeinderäte, Sportler oder auch Senioren. Viele gemeinsame Ausflüge wie nach Prag und vor kurzen in das Werksviertel nach München standen auf dem Programm. Der tschechische Bürgermeister dankte allen, die an der Partnerschaft aktiv beteiligt sind. „Vor allem die verstorbene Janka Gollwitzer war die Seele und der Motor der Partnerschaft in den ersten Jahren“. Nun sei Uli Völkl der entsprechende Antrieb, der regelmäßig nach Hostouň/Hostau komme. Rauch wünschte für die bevorstehenden Kommunalwahlen in Waldthurn eine glückliche Hand in der Auswahl von Menschen, die sich aktiv für die Weiterentwicklung ihres Marktes und für die weitere Entfaltung hinsichtlich der Partnerschaft einbringen. Bevor der halbrunde Geburtstag beim Malermichl gebührend mit musikalischer Unterhaltung der Waldthurner „Hulzstoussboum“ gefeiert wurde, trugen sich alle in das Goldene Buch der Marktgemeinde Waldthurn ein.

Schon am Vormittag waren Hostauer Grundschüler nach Waldthurn gekommen und wurden mit Gesang der Klasse 2/3 empfangen. Sie tauschten gegenseitige Geschenke aus und betätigten sich in der Turnhalle gemeinsam sportlich. Einige deutsch/tschechische Künstler wurden äußerst kreativ und malten zwei große Kunstwerke, auf denen jeweils ein Grenzübergang zu sehen ist. Pflanzen symbolisieren jeweils Waldthurn und Hostau die damals durch den Eisernen Vorhang getrennt waren und wieder zusammenwachsen. Ein Bild bleibt in Waldthurn, das andere nahmen die Hostauer mit nach Böhmen und hängen es dort in ihrer Bildungseinrichtung auf.

Text und Bilder: Franz Völkl

Waldthurner Heimatkundler zu Besuch im Staatsarchiv Amberg

Ein Jahr besteht der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) nun schon. Neben dem kleinen Bändchen  „Geschichten aus dem Schönwerth-Land“ ist eine umfassende Broschüre über die Schulen der Gemeinde Waldthurn, vor allem aus den beiden letzten Jahrhunderten in Vorbereitung. Im Herbst ist die Aufbereitung und Katalogisierung der von der Familie Bergler freundlicherweise überlassenen Unterlagen des Heimatforschers Franz Bergler geplant. Außerdem möchten die Mitglieder auch mit den in den öffentlichen Archiven vorhandenen Unterlagen Grundlagenforschung betreiben.

Vierzehn Interessierte folgten daher der vom stellvertretenden Vorsitzenden Josef Forster organisierten Einladung des Staatsarchivs Amberg, wo sie Archivamtmann Jochen Rösel (M.A.) begrüßte. Nach einer theoretischen Powerpoint-Präsentation über die Aufgaben und Zuständigkeiten der staatlichen Archive ging Rösel auf die Ausleihmodalitäten, Personen- und Datenschutz und vor allem auf die vorhandenen Bestände ein. Neuerdings ist im Lesesaal unter bestimmten Bedingungen sogar das Fotografieren mit Handy`s und sonstigen Digitalkameras erlaubt, was die Recherche ungemein erleichtert. Mehrere zehntausend Dokumente legen die Mitarbeiter des Amberger Staatsarchivs den Besuchern jährlich vor. Der Hauptteil der Suchenden kommt aus den Heimatkundlichen Vereinen, gefolgt von Familienforschern. Vor einem Besuch sind Anfragen per Mail sinnvoll. Wegen der begrenzten Mitarbeiterzahl können
Antworten aber einige Tage dauern.

Sichtlich erfreut waren die Waldthurner über die zahlreichen Fundstücken, die Rösel eigens für sie in Vitrinen zusammengestellt hatte. Wertvollstes Teil war die Originalurkunde mit Siegel aus dem Jahr 1218 (Bild links) in der Heinrich, Graf von Ortenburg, mit dem Abt von Waldsassen Güter tauschte und Friedrich und Ulrich von Waldthurn als Zeugen genannt wurden. Gefolgt von einem prachtvollen handkolorierten Folianten bis hin zu Dokumenten und Plänen über die Jahrhunderte bis zur Neuzeit. Anschließend führte der Beamte durch die Archivräume. Die Findstube ist dabei die erste Anlaufstelle, in der die Forschenden beraten werden und in den Katalogen und Registern erste Hinweise auf die Unterlagen erhalten. Anschließend werden die gewünschten Unterlagen herausgesucht und im Lesesaal bereitgestellt. Bereitwillig beantwortete Rösel die vielen Fragen der Besucher. Der Vorsitzende des HAK, Georg Schmidbauer, lobte die Mitarbeiter des Staatsarchivs, von denen er bei seinen früheren Besuchen immer freundlich und zuvorkommend bedient wurde.

Josef Forster überreichte als Dankeschön in Ermangelung noch eigener Druckerzeugnisse seine neue Chronik und kündigte ein baldiges Wiedersehen an. Die gewonnenen Eindrücke besprachen die Mitglieder des HAK anschließend in einem Amberger Biergarten.