Text und Bilder: Franz Völkl
Die Verantwortlichen von LandKultur Waldthurn, hier mit Andrea Götz an der Spitze, hatten eine interessante LandkulTOUR nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene versprochen und lagen damit genau richtig. Dabei lieferte der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) entsprechende Informationen und Textbeiträge. Eine interessante und historische Wanderung durch das Waldthurner Handwerk von früher.

Die Magd „Toffel Mare“ (Andrea Götz) und die weiteren LandkulTOUR -Schauspieler hatten einiges zu erzählen. Leider meinte es der einsetzende Regen nicht besonders gut, doch die LandkulTOURER waren perfekt mit Regenkleidung und Regenschirmen der Gegenwart ausgestattet.
„Stellt euch vor, bei zirka 1.000 Einwohnern, die Waldthurn im Jahr 1840 hatte, gab es 90 Gewerbe“. Weber, Schuster, Metzger, Schneider, Bäcker, Maurer, Krämer, einen Schäffler, der Fässer herstellte, Schmiede, verschiedene Wirte, einen Bader, Hutmacher, Kaminkehrer, Wagner, Strumpfstricker, Haubensticker und Hufschmiede. So führte die „Toffel Mare“ die zirka 40 Kinder und Erwachsenen, beginnend am Lobkowitzschloss, in das Heimatmuseum des OWV. Dort empfing sie die Weberin, die „Schousterballer Lina“ (Manuela Grünauer). Sie erklärte, wie man früher den Flachs gebrochen hat, wie man aus Wolle einen Faden gesponnen und wie schließlich die Weberei gearbeitet hat. Gleich anschließend marschierte die „Färber Marga“ (Hannah Griesbach) auf. Verwundert waren die Teilnehmer schon, dass man früher aus Birkenblättern die Farbe Gelb und aus Läusen Rot gewann. Je dunkler die Farbe war, desto schwieriger war sie herzustellen. Schwarz wurde beispielsweise aus alten Walnüssen produziert. Die Färber hatten einen sehr ungesunden Beruf, denn damals entstanden beim Färbevorgang Kupfer- und Bleidämpfe, die krank machten.

Im OWV – Museum erklären die „Schousterballer Lina“ (Manuela Grünauer – hinten rechts) und die „Färber Marga“ (Hannah Griesbach – hinten links) im Rahmen der LandkulTOUR ihre Berufe von damals
Die „Toffel Mare“ erklärte auf dem Weg durch Waldthurn, dass die Mehlsäcke, auf denen früher sogar der Name des Eigentümers stand, die heutigen Plastiksäcke waren. Die Aufschrift benötigte man, damit der Müller das Getreide dem jeweiligen Eigentümer zuordnen konnte. Auch eine Töpfer-Auswahl zeigte sie den Interessierten. In der Pfarrkirche St. Sebastian wurden kurz die bestens erhaltenen Zunftstangen in der Heiligenkapelle in Augenschein genommen.
Schließlich begegnete die Gruppe in einem Garten unter einem großen Baum dem „Schäfer Hans“ (Hans-Peter Reil). Er erklärte, dass der Schäfer einer der ältesten Berufe in Waldthurn war. Die Schafe und Ziegen waren damals, wie er es nannte, „die Kühe des kleinen Mannes“. Es wurde Wolle und Ziegenmilch produziert und Schaffleisch gegessen. Schließlich sang der Schäfer Hans für alle ein Gute-Nacht-Schäferlied, was die Teilnehmer begeisterte.

Der Schäfer Hans (Hans-Peter Reil) singt bei der LandkulTOUR durch Waldthurn ein Schäfer-Gute-Nacht-Lied.
Imposant wurde es in der Vohenstraußer Straße in der Schmiede neben dem früheren fürstlichen Lobkowitzschen Gartenhaus. Dort hatten der „Schmied Bernd“ (Bernd Glatter) und sein Geselle, der „Schmied Sepp“ (Josef Pflaum sen.), ein offenes Schmiedefeuer, das zirka 1.000 bis 1.200 Grad hatte, entfacht. Das Eisen wurde so lange erhitzt, bis es glühte und formbar wurde. Anschließend bearbeitete die beiden „Schmiedehandwerker von damals“ das heiße Metall mit schweren Hämmern auf dem Amboss. Durch Schlagen, Biegen und Strecken entstanden vor Ort Eisennägel und sie verdichteten im Rahmen der Materialerhaltung am Amboss die erhitzte Speerspitze mit dem Hammer – live und für alle zu sehen. Eine sehr beeindruckende Vorführung für die staunende Gruppe.

Die beiden Schmiede Bernd (links – Bernd Glatter) und Sepp (Josef Pflaum sen) zeigen bei der LandkulTOUR im Beisein der Magd „Toffel Mare“ (rechts) das alte Handwerk live.
Schließlich servierten Felix Griesbach und Thomas Bergmann im Innenhof des Lobkowitzschlosses für die hungrigen LandkulTOURER noch Grillspezialitäten der Gegenwart.














Vierzehn Interessierte folgten daher der vom stellvertretenden Vorsitzenden Josef Forster organisierten Einladung des Staatsarchivs Amberg, wo sie Archivamtmann Jochen Rösel (M.A.) begrüßte. Nach einer theoretischen Powerpoint-Präsentation über die Aufgaben und Zuständigkeiten der staatlichen Archive ging Rösel auf die Ausleihmodalitäten, Personen- und Datenschutz und vor allem auf die vorhandenen Bestände ein. Neuerdings ist im Lesesaal unter bestimmten Bedingungen sogar das Fotografieren mit Handy`s und sonstigen Digitalkameras erlaubt, was die Recherche ungemein erleichtert. Mehrere zehntausend Dokumente legen die Mitarbeiter des Amberger Staatsarchivs den Besuchern jährlich vor. Der Hauptteil der Suchenden kommt aus den Heimatkundlichen Vereinen, gefolgt von Familienforschern. Vor einem Besuch sind Anfragen per Mail sinnvoll. Wegen der begrenzten Mitarbeiterzahl können
Antworten aber einige Tage dauern.
Sichtlich
erfreut waren die Waldthurner über die zahlreichen Fundstücken, die Rösel eigens für sie in Vitrinen zusammengestellt hatte. Wertvollstes Teil war die Originalurkunde mit Siegel aus dem Jahr 1218 (Bild links) in der Heinrich, Graf von Ortenburg, mit dem Abt von Waldsassen Güter tauschte und Friedrich und Ulrich von Waldthurn als Zeugen genannt wurden. Gefolgt von einem prachtvollen handkolorierten Folianten bis hin zu Dokumenten und Plänen über die Jahrhunderte bis zur Neuzeit. Anschließend führte der Beamte durch die Archivräume. Die Findstube ist dabei die erste Anlaufstelle, in der die Forschenden beraten werden und in den Kat
alogen und Registern erste Hinweise auf die Unterlagen erhalten. Anschließend werden die gewünschten Unterlagen herausgesucht und im Lesesaal bereitgestellt. Bereitwillig beantwortete Rösel die vielen Fragen der Besucher. Der Vorsitzende des HAK, Georg Schmidbauer, lobte die Mitarbeiter des Staatsarchivs, von denen er bei seinen früheren Besuchen immer freundlich und zuvorkommend bedient wurde.
Josef Forster überreichte als Dankeschön in Ermangelung noch eigener Druckerzeugnisse seine neue Chronik und kündigte ein baldiges Wiedersehen an. Die gewonnenen Eindrücke besprachen die Mitglieder des HAK anschließend in einem Amberger Biergarten.