Von Irrlichtern und dem Windgspral

Unter Irrlichtern verstand man kleine geisterhafte Wesen in Form von Flämmchen, die der Erlösung harrten. Sie zeigten sich besonders an sumpfigen Stellen in bläulicher Farbe und bewegten sich, als ob eine Laterne getragen würde. Sie entstehen durch Selbstentzündung als kleine, vom Boden aufsteigende Flämmchen, die besonders auf sumpfigen Wiesen und in moorigem Gelände entstehen. Die Ursache sind leicht brennbare Gase, die bei der Zersetzung organischer Substanzen sich bilden.

Im Aberglauben werden Irrlichter meist entweder als das arglistige Werk übernatürlicher Wesen oder als die Seelen unglücklich Verstorbener gedeutet. Ihnen zu folgen bringt Unglück, da ihnen eine bösartige Natur nachgesagt wird. Meistens werden sie als das Werk böser Kobolde, Naturgeister, Gespenster oder Dämonen verstanden. Diese sollen sich in Irrlichter verwandeln, um den Menschen gezielt zu schaden. Das Licht soll Reisende, Abenteurer und Neugierige in ihr Verderben führen. Das Opfer wird in einen Sumpf hineingelockt, bis es im Schlamm versinkt.

Sagen von Irrlichtern

Irrlichter bei Weiden

Einmal bin ich mit dem Vater nach Waldhof, wo die Baumschule ist bei Weiden. Da stammt die Großmutter her. Ich bin barfuß gegangen. Wir haben Honig mitgekriegt und sind abends wieder zurück nach Wiesendorf. Bei der Merklmooslohe sind Irrlichter gekommen, und ich hab immer wieder zum Vater gesagt: „Vater, ein Licht!“ Da hat der Vater geschrien: „Halts Maul, es ist ein Irrlicht. Du musst ruhig sein, sonst werden wir verführt.“ Es war ein schwebendes Licht, das sich bewegt hat, etwa so groß wie Taschenlampen.

Die Irrlichter bestrafen einen Spötter

In alten Zeiten haben sich an vielen Stellen Irrlichter gezeigt. Die Irrlichter sind die Seelen von Menschen, die in ihren Erdentagen böse Taten vollbracht haben. Einmal wanderte ein Bursch spät in der Nacht heim. Auf einmal  tanzten Irrlichter um ihn herum, die schrien: „Erlös uns doch ! Erlös uns doch!“ Der Wanderer aber liebte es, Andere zu verspotten und rief ihnen höhnisch zu: „Erlös uns doch! Erlös uns doch am Nimmerleinstag!“ Da fegten die Irrlichter auf den Mann zu und brannten ihn, dass er vor Schmerz heulte. Als er heimkam, verlangte er sofort nach seinem Bett. Nach drei Tagen starb er.

Das Windgspral oder die Windsbraut

Ein Windgspral ist nach Schönwerth ein Windweib, wobei Gspral eine Frau mit langen Beinen bedeutet. Sie heißt auch Windbraut, um Waldthurn auch Windgspreidra. Sie ist die weibliche Hälfte des Windes. Man geht ihr am besten aus dem Weg, denn sie nimmt alles mit, was ihr in den Weg kommt. Damit die Windsbraut nicht schadet, soll man etwas in sie hineinwerfen, was es auch immer sei.

Sagen vom Windgspral

Das Windgpral (Neudorf)

Ein junger Bursche ging in einer trüben, regnerischen Novembernacht hinten an der böhmischen Grenze dem elterlichen Einödhof zu. Da kam ein Windgspral, eine Windsbraut, daher. „Komm nur wieder her, du Hexe!“ rief der Bursche und warf sein Messer hinein. Sofort nahm ihn der Wind mit und entführte ihn in eine weit entfernte Gegend. Vor einem Wirtshaus glitt er zu Boden. Hier harrtte seiner schon ein einäugiger Mann und zürnte: „Schau, was du mir angetan hast!“ und zeigte ihm Auge und Messer. Dann warnte er ihn noch und ließ ihn durch eine neue Windsbraut nach Hause führen.

Das Windgspral (Oberbernrieth)

Eine Oberbernriether Bäuerin hielt ihre Tochter zum Spinnen an, ließ sie aber nie zum Tanze gehen. Als aber die Alte einmal nicht zu Hause war, ging das Mägdlein gleichwohl zum Tanz.  Die Mutter suchte und fand die unfolgsame Tochter im Wirtshaus. Im ersten Zorne verwünschte sie ihre Tochter in den Mond hinein. Sogleich kam ein Windgspral und riss sie in Blitzesschnelle hinauf , wo sie nun für immer spinnen muss. Ihr Gespinst sind die Herbstfäden. Wenn sie fliegen, sprechen die Menschen vom Altweibersommer und sagen: „Die Spinnerin arnd.“

Das Windgspral oder die Reise nach Venedig

Es wurde einmal Heu eingefahren. Da erhob sich das Windgspral. Ein Bub, der neben dem Wagen ging, warf sein Messer hinein.  Dieses wurde nicht mehr gefunden und die Sache vergessen. Der Bub wuchs zum Mann heran und musste eine Reise nach Venedig unternehmen. Wie er nun herumgeht, um die Wunderstadt zu bestaunen,, sieht von einem Haus einer zum Fenster heraus, der ihn hinaufruft und gastlich bewirtet. Als er ihn entließ, sagte er:  „Ich habe nur ein Auge, das verdank ich dir!“.Der Fremdling war hierüber um so mehr betroffen, als er den Mann gar nicht kannte. Da ging der Wirt hinaus und kam nach einiger Zeit als Venetianer gekleidet herein und zeigte dem Gast ein Messer, ob er es kenne. Nun gingen diesem die Augen auf. Er erkannte den Venetianer, den er als Knabe oft in seiner Gegend nach Goldsand suchen gesehen hatte.