Als Riesen werden in vielen Sagen und Märchen menschenähnliche, aber besonders große und starke Wesen bezeichnet. Sie leben gewöhnlich nach anderen Regeln als die Menschen, und ganz ungezähmt und wild. Riesen sind richtige Urgewalten: Ein wenig grob und ungehobelt und oft sehr egoistisch. Sie gehören zu den Erdwesen; die Menschen stehen ihnen aber meist im Weg. Sie sind nicht wirklich böse, aber unglaublich stark und dumm.
Zwerge ist eine Sammelbezeichnung für menschengestaltige, kleinwüchsige Fabelwesen des Volksglaubens , die meist unterirdisch in Höhlen leben. Sie gelten als schlau und zauberkundig, bisweilen aber auch als listig, geizig und tückisch, meist aber als hilfsbereit. Sie leben wie die Menschen in der Gesellschaft ihresgleichen. Früher hießen sie von Ort zu Ort immer ein wenig anders. In der Nähe der Pfreimd, vor allem im Zottbachtal, haben die Zwerge Fankerl geheißen. Sie sollen so groß wie kleine Kinder gewesen sein und unter der Erde oder in hohlen Bäumen gehaust haben. Sie fangen das Arbeiten an, wenn die Menschen Pause machen, und wenn eine Glocke läutet, müssen sie weinen. Die Fankerl sind vor allem kunstreiche Schmiede und tüchtige Bergleute, denn die Gegend war ja früher reich an Erzen.
Im Süden der Oberpfalz heißen die Zwerge Razen, Strazeln oder Schrazeln. Sie bleiben und arbeiten nur bei guten Leuten, denen sie Glück bringen. Sie leben in Erdhöhlen, den Schrazellöchern. Zwischen Vils und Naab nennt man sie Zwarge. Sie sollen sehr hilfreich sein, aber auch ein wenig grob, und sie haben keine schöne Stimme. Im nördlichen Teil der Oberpfalz heißen sie Hankerl. Auch sie helfen den Menschen mit Rat und Tat und verkehren ganz offen mit ihnen. Zwerge weinen vor Trauer, wenn ein Kind geboren wird, und sie feiern vor Freude, wenn einer von ihnen stirbt. Man darf ihnen für ihre Arbeit etwas zu essen geben, aber niemals neue Kleider, denn dann glauben sie, das wäre ihr Lohn und sie dürfen nicht mehr weiterarbeiten.
Sagen von Riesen
Riesen auf Haus Murach
Auf der Burg Obermurach sollen ehedem Riesen gewohnt haben. Im Burghof stand ein 10 Fuß weiter und ungeheuer tiefer Brunnen. Die Menschen mussten ihn mitbauen helfen. Wenn diese in ihrer Ungeschicklicheit einen größeren Stein hinabfallen ließen, riefen die unten grabenden Riesen nur: „Gsch! Gsch!“ herauf, da sie meinten, es wären scharrende Hühner droben.
Das Riesenspielzeug
Einstmals ging die Tochter eines Riesen ins Tal hinab spazieren. Da erblickte sie einen Bauern beim Pflügen. Der gefiel ihr als Spielzeug so gut, das sie ihn mit den Ochsen und dem Pflug in ihre Schürze nahm und zur Burg trug. Voller Freude zeigte sie dem Vater das neue Spielzeug. Der aber sagte seiner Tochter, dass der Bauer kein Spielzeug sei, sondern ein fleißiger Mann, der seinen Acker bestelle, damit die Leute zu essen haben. Geschwind musste die Riesentochter ihn wieder ins Tal tragen. Am Fuß des Berges schüttete sie ihre Schürze aus. An dieser Stelle ist heute noch ein kleiner Berg zu sehen, der den Namen „Kühhübel“ trägt.
Zwergensagen
Die Schrazeln von Oberviechtach
Im Keller einer Gastwirtschaft sind heute noch Schrazellöcher zu sehen. Hier konnten in alten Zeiten die Zwerge zu ihren Behausungen durchgehen. Die Schrazeln kamen oft, spülten nach dem Essen das Geschirr und halfen auch sonst bei nächtlichen Arbeiten tüchtig mit. Vorgesetzte Speisen ließen sie sich gut schmecken. Als man ihnen aber Kleidungsstücke schenken wollte, liefen sie weinend davon und kamen nie wieder.
Die Moosbacher Zwerge
Die Moosbacher Zwerge sind ein Völkchen, das ganz nah bei den Menschen gewohnt hat. Angeblich haben sie den Moosbacher Bauern sogar heimlich das Vieh im Stall gepflegt, so dass es die beste Milch gegeben hat. In einer Nacht hat es bei einer Hebamme in Moosbach plötzlich an der Tür geklopft. Die Hebamme ist hinausgegangen, um nachzuschauen, aber draußen ist niemand zu sehen gewesen. Drum hat sie die Tür gleich wieder zumachen wollen, doch da hat nochmal etwas geklopft. Es war ein Zwerg, der zu ihr gekommen ist. Mit ernster Miene ist er auf der Schwelle vor ihr gestanden und hat sie angeschaut. Dann hat er sie gebeten , jetzt gleich mit ihm zu kommen, es solle ihr Schaden nicht sein. Ohne Zögern ist die Hebamme dazu bereit gewesen , denn sie hat gewusst, dass die Moosbacher Zwerge oft hilfreich und freundlich gewesen waren. Schnell ist sie in ihr Gewand geschlüpft und hat den Zwerg zu seinem Berg begleitet. Dort hat sich wie von Geisterhand eine große Pforte aufgetan , und der Zwerg hat die Hebamme durch hell erleuchtete Gänge geführt, vorbei an Edelsteinen und Goldadern, bis in ein kostbar ausgestattetes Gemach. Dort ist eine Zwergenfrau in den Wehen gelegen und hat erschöpft um Hilfe gefleht. Die Hebamme hat selbstverständlich gewussst, was zu tun war, und schon nach kurzer Zeit war ein gesundes Zwergenzwergerl geboren. Die erleichterten Eltern haben nun gefragt, was sie denn schuldig wären. Und die gescheite Moosbacherin hat auch hier Bescheid gewusst. „Nichts!“, hat sie ganz freundlich gesagt. Da haben die Zwerge sich gefreut und ihr einen großen Sack voll Kehrdreck gegeben. Ganz dankbar hat die Hebamme das seltsame Geschenk angenommen, sich den Sack auf die Schulter geladen , und dann ist sie aufgebrochen. Während sie aber zu ihrem Haus zurückgegangen ist, ist der Sack immer schwerer und schwerer geworden. Mit letzter Kraft hat sie es doch noch geschafft, ihn in die Kammer zu schleifen. Als sie den Sack dort endlich geöffnet hat , war der Kehrdreck zu purem Gold geworden. Von diesem Schatz hat sich die Hebamme einen großen Bauernhof gekauft.