Feurige Männer

Feurige Männer, auch Landsknechte genannt, sind nach Schönwerth geisterhafte Wesen. Sie schauen aus wie Menschen und sind auch so gekleidet. Aus ihrem Mund schlägt Feuer. Ihr Rücken ist ausgehöhlt wie eine Mulde, daraus bricht das Feuer heraus. Damit leuchten sie den Heimgehenden. Die Feurigen Männer sind Arme Seelen, die leiden müssen, weil sie im Leben Grenzsteine versetzt haben. Zur Strafe müssen sie oft den Grenzstein herumtragen und rufen dabei immer: „Wou  dou i den hi?“ Antwortet ein Mensch: „Dahin, wo du ihn genommen hast“, dann sind sie erlöst.

Früher zeigten sich Feurige Männer häufig, und jeder Bauer hatte gewiss einen von ihnen einmal in seinem Leben gesehen. Man brauchte sich vor ihnen nicht zu fürchten, wenn man sie nicht beleidigte. Dienstfertig leuchten sie einem heim und geleiten ihn gegen einen geringen Lohn bis zur Haustür. Gibt man ihnen aber das Versprochene nicht,  so führen sie den Menschen durch die Lüfte davon oder zünden sein Haus an. Wenn ein Feuriger Mann auf einen zukommt, darf man nicht davonlaufen, sonst setzen sie sich auf den Rücken und führen in die Irre. Beleidigt man aber den Geist mit dem schlimmen Wort „Geltenscheisser“, so rächt er sich durch Aufhugeln und Verführen.

Einige Sagen von Feurigen Männern:

Der Feurige Mann (Oberbernrieth)

Ein Knabe aus Oberbernrieth fuhr aus der Mühle heim und sah einen Landsmann. (Von Bärnau bis Waldthurn hießen nämlich die Feurigen Männer Landsmänner oder Landsknechte). In großer Furcht darüber setzte er sich auf das Mühlgitter und betete. Die Ochsen zogen ihren Trott fort. Je mehr aber der Knabe betete, umso näher kam der Geist. Zuletzt hockte er sich sogar noch auf das Mühlgitter. Da schrie der Junge: „Ui Teufel, wie heiß!“ – „Hättest du nur noch ein Vaterunser  gebetet, so wäre ich erlöst gewesen“, jammerte das geisterhafte Wesen und verschwand.

Der feurige Mann (Vohenstrauß)

Ein alter Bauer ging etwas angeheitert von Vohenstrauß nach Oberlind. Da kam ihm in der stockdunklen Nacht leuchtend wie eine brennende Fackel ein feuriger Mann entgegen. Der Bauer freute sich und rief: „He, Landsmann, bal rout, bal blau, bist bal durt, bist bal dou,leicht ma ham, kröigst an Knödl oder an Silberpfennig!“. Der Feurige Mann leuchtete ihm schön voraus. Aus seinem hohlen Rücken schlugen die Flammen wie aus einer blechernen Backmulde. Vor dem Haus wartete er auf seinen Lohn, den ihm der Bauer in den hohlen Rücken warf.

Der Landsknecht (Fiedlbühl)

Der Reiniglbauer von Fiedlbühl fuhr einmal um Holz auf den Fahrenberg. Es wurde schon finster, als er den Heimweg antrat, und plötzlich stand er ohne Weg mitten im finsteren Wald. Er hatte schon oft von der Hilfsbereitschaft der Landsknechte gehört und von seinem Vater ein Sprüchlein gelernt, mit dem man sie herbeirufen könne. Er rief: „Landsknecht, bist bal rout, bal blau, bist bal duat, bal dou, gei her und leicht ma!“ Da erschien ein Mann mit grauem Gewand mit einer Laterne, um ihm den Weg zu zeigen. Es führte ihn getreulich bis an sein Haus. Der Bauer ging hinein, ohne dem hilfsbereiten Mann zu danken. Da lief dieses fortwährend um das Haus herum. Endlich reichte ihm der Bauer ein Stück Brot hinaus und der Geist war verschwunden.