Die Wilde Jagd oder das Wilde Goich

Die Wilde Jagd ist die deutsche Bezeichnung für eine in vielen Teilen Europas verbreitete Volkssage, die sich meist auf eine Gruppe von übernatürlichen Jägern bezieht, die über den Himmel jagt. Vor der Wilden Jagd hatten unsere Vorfahren große Angst. Sie zog besonders in der Zeit der Rauhnächte (Weihnachten bis Hl. Drei König), aber auch an Fasching und sogar am Karfreitag durch die Luft. Angeführt wurde der Geisterzug vom Hetzjäger. Es folgte ihm eine Meute kläffender Hunde, und mit einem fürchterlichen Gerassel unter Schreien, Heulen, Jammern, Ächzen und Stöhnen sausten die Geister durch die Luft. Daran nahmen Männer, Frauen und Kinder teil, vor allem solche, die eines „vorzeitigen“ Todes, sei es durch Unglück oder Gewalteinwirkung, gestorben waren. Der Zug besteht nämlich aus den Seelen derer, die „vor ihrer Zeit“ gestorben sind. Auch Tiere, vor allem Pferde und Hunde, zogen mit.

Wer die Wilde Jagd über sich hinwegbrausen fühlte, musste sich flach auf den Boden legen, wollte er unversehrt bleiben. Auch wenn man sich zu Hause einschloss, blieb man verschont. Wer die Wilde Jagd provozierte oder verspottete, dem wurde unweigerlich Schaden zugefügt, und wer absichtlich aus dem Fenster schaute, dem schwoll der Kopf an, dass er ihn nicht mehr zurückziehen konnte. Eine ähnliche Sagengestalt ist der Wilde Jäger, der aber allein umherzieht.

Sagen von der Wilden Jagd:

Der Hirte und die Wilde Jagd (Treffelstein)

Ein Hirte aus Treffelstein weidete seine Herde. Da hörte er plötzlich die Wilde Jagd vom Reichenstein herüber auf sich zukommen. Er vernahm deutlich die Stimmen von Menschen und Tieren. Geschrei der Jäger, Pferdegewieher, Hundegebell, Katzenmiauen und anderes mehr mischte sich zu furchterregendem Getöse. Der Hirte kannte keine Furcht und rief mitten in das Nachtgoich hinein: „He, Wildes Heer, wohin geht heute noch deine wilde Hetz und Jagd?“ „Das wirst du gleich sehen“, hörte er rufen, und schon erfasste ihn ein Wirbelwind und trug ihn mit Blitzesschnelle in eine ferne Gegend. Erst nach einem halben Jahr erreichte er die Heimat wieder. Hätte er sich mit dem Gesicht auf den Boden gelegt oder wäre er in ein Haus geeilt, so hätte ihm die Wilde Jagd nichts anhaben können.

Von der Wilden Jagd entführt

Einem Mann, der spät nachts noch unterwegs war, begegnete die Wilde Jagd. Er hatte sich wohl auf den Boden geworfen, aber neugierig wie er war, schaute er sich den Zug an. Da rief einer aus dem Wilden Goich: „Miet! Miet! Miet!“ Und als der Mann das Gesicht richtig gehoben hatte, packten ihn schon andere von der Wilden Jagd und schleiften ihn mit. Der unglückselige Mann ist nie mehr in seiner Heimat gesehen worden.

Die Wilde Jagd erlebt (Eslarn)

Der Ludwig Pfannenstein aus Eslarn hat die Wilde Jagd selbst erlebt. Er ist spät am Abend mit einem Buckelkorb Gras nach Hause gegangen. Es brach die Walpurgisnacht, die Hexennacht, an. Plötzlich hörte er in der Luft ein schreckliches Getöse. Ein scharfer Sturm pfiff ihm um die Ohren.  Pferde jagten über den Himmel dahin, Schüsse krachten und Pferde wieherten. Auf den Pferden saßen wilde Kerle, die brüllten: „Hußtata! Jagd ihn!“ Um sie herum rasten Hunde und bellten laut. Ludwig Pfannenstein warf sich nieder und presste seinen Kopf auf den Boden. Da brauste die Wilde Jagd über ihn hinweg. So schnell, wie sie gekommen war, so schnell war sie auch vorübergezogen. Alles war wieder ruhig. Der Mann ging nach Hause, ohne dass die Wilde Jagd ihm etwas angetan hatte.