Der Hoymann oder Wouzl

Nach Schönwerth ist ein Hoymann ein geisterhaftes Wesen, das an bestimmten Stellen allein geht und seine Gegenwart durch lautes Rufen kundgibt. Seinen Namen hat er von seinen Rufen „hoy, hoy, hoy“,  die er zeitweise mehrere Male nacheinander ausstößt, und zwar so laut, dass man es weithin hören kann. Seine Gestalt ist die eines großen Mannes. In der Regel trägt er einen Hut mit einer großen Krempe und hat einen langen, weißen Bart. Sein Aufenthalt ist der Wald. Er geht immer nur dieselben Wege. Da er eine verwunschene Gestalt ist, darf er über die Flur, auf der er wandelt, nicht hinausgehen.

Man sieht ihn immer über dem Wald auf den Spitzen der Bäume gehen und dabei ruft er. Der Ruf ist warnend, denn der Hoymann straft den Waldfrevel. Wenn er ruft, darf man ihm nicht antworten, denn er fühlt sich dadurch verspottet. Einem solchen Rufer setzt er sich auf den Rücken, und der muss ihn dann bis zu seiner Wohnung tragen. Sein Erscheinen ist an keine gewisse Zeit gebunden. Der Hoymann ist heute noch lebendig im Ausspruch: „Der schreit ja wöi a Hoimo.“

Ein ähnlicher Waldgeist ist der Wouzl  oder Böycherlbär, der in ein Bärenfell gekleidet ist, „wou, wou“ brummt und eine Schreckgestalt für Kinder ist. Er wohnt in hohlen Buchen und durchstreift immer die Buchenwälder.

Sagen von den Hoymännern

Die Hoymänner am Bach

Bei Oberviechtach sind in einer dunklen Nacht mehrere Männer auf dem Heimweg gewesen. Ihr Weg führte sie an der Einöde Hammermühle vorbei. Dort sind sie in die Büsche gegangen und haben ihre Hosen umgekehrt. Einer von ihnen blieb zurück, die anderen waren bereits vorausgegangen. Bei der Mühle fließt ein Bach vorbei. Auf einmal zeigten sich dort mehrere Hoymänner, die schrien: „Hoy, hoy, hoy! S’Bacherl ist schöi!“. Der Mann war zu Tode erschrocken. Blitzschnell hat er sein Gewand geordnet und ist seinen Kameraden nachgelaufen.

Der Hoymann überrascht Holzdiebe

Zur Nachtzeit gingen zwei Männer bei Obermurach in den Wald, um Holz zu stehlen. Sie hatten Stricke mitgenommen, damit banden sie mehrere Stangen zusammen. Auf einmal hörten sie ein Prasseln im Wald. Ein riesengroßer schwarzer Kerl kam dahergerannt, direkt auf sie zu. Ein großes Messer hat er geschwungen und laut „hoy, hoy, hoy“  geschrien. Vor Angst haben die Männer das Holz  zu Boden geworfen und sind so schnell, wie ihre Füße sie trugen, nach Hause gelaufen.

Der Hoymann und der fluchende Knecht

Bei einem Bauern diente ein junger Knecht, der fluchte vom frühen Morgen bis zum späten Abend, er fluchte bei der Arbeit und auch, wenn Feierabend war. Der Bauer war ein frommer Mann. Er forderte seinen Knecht oft auf,  das Fluchen zu unterlassen. Aber der Knecht wollte nicht auf seine Ermahnungen hören und fluchte weiter.

Eines Tages bekam der Knecht den Auftrag, Holz aus dem Wald zu holen. Fluchend spannte er die Ochsen an und machte sich auf den Weg. Beim Aufladen ging ihm die Arbeit nicht glatt von der Hand. Da begann er wieder gräulich zu fluchen. Kaum hatte er die ersten Flüche ausgestoßen, da rannten zwei Hoymänner auf ihn zu, Messer in den Händen, die schrien laut: „Hoy, hoy, hoy!“ Der Knecht ließ sein Gespann stehen  und rannte in das Dorf. Die Hoymänner liefen noch ein weites Stück hinter ihm her. Im Dorf erzählte er sein Erlebnis. Der Bauer musste das Gespann heimführen, denn der Knecht traute sich nicht mehr in den Wald. Seitdem hörte ihn niemand mehr fluchen.