Die Drud

Eine Drud oder Drude (männliche Form Druderer) ist eine Sagengestalt des Volksglaubens, bei deren Taufe ein Fehler begangen wurde. Der Name leitet sich ab vom uralten Wort Trudan, was  treten oder drücken bedeutet. Sie setzt sich nachts auf die Brust von Schlafenden und verursacht Alpträume sowie Beklemmung und Atemnot. Eine Drud ist dazu verdammt, sich jede Nacht ein Opfer zum Drücken suchen zu müssen. Erwachsene. Kinder und Haustiere werden von ihr heimgesucht. Dazu löst sich ihre Seele vom Körper und kann als Geist durch kleinste Spalten und Schlüssellöcher in ein Zimmer eindringen und dann in verschiedener Gestalt erscheinen, z.B. als Katze oder Feder.

Eine Drud ist ein normaler Mensch, z. B. Eine Dienstbotin oder eine Wirtin. Eine Frau, die diesem Drudenfluch ausüben muss, weiß davon, verheimlicht dies aber vor den Mitmenschen. Sie kann von diesem Fluch nur befreit werden, wenn ihr jemand ein zahmes Haustier zur Verfügung stellt, das sie dann zu Tode drückt. Zur Abwehr und Enttarnung von Druden gibt es Mittel und Methoden:

Das Drudenkreuz oder der Drudenfuß ist ein fünfeckiger Stern, der am Fußende der Bettstatt oder über der Tür angebracht wird, um die Drud abzuwehren. Ebenfalls abwehrende Wirkung sollen sogenannte Drudensteine („Hühnergötter“) haben. Das sind Kieselsteine mit einem natürlichen Loch. Diese wurden zur Abwehr mit einer Schnur im Dachstuhl des Hauses aufgehängt. Das Drudenkraut war ein Bärlappkranz, der aus einer einzigen Ranke gewunden sein musste und über der Stalltür angenagelt wurde, um die Drud vom Stall fernzuhalten. Auch ein Besen, umgekehrt an die Stubentüre gelehnt, lässt die Drud nicht ein. Wer auf der rechten Seite schläft oder mit dem rechten Fuß zuerst ins Bett gestiegen ist, dem kann die Drud nichts anhaben.

Enttarnen konnte man eine Drud, wenn man ihr befahl, am nächsten Tag wieder zu kommen, um sich etwas zu leihen. Sie soll dann dazu gezwungen sein und ist am nächsten Morgen die erste Person, die an die Tür klopft. Die so enttarnte Drud muss dann überzeugt werden, in Zukunft vom Opfer abzulassen. Es gibt auch noch den Begriff „Drudenei“ für ein ungewöhnlich kleines Er. Nach dem Volksglauben hat eine Drud dafür ein größeres genommen. Schließlich hat man die Walpurgisnacht auch die Drudennacht genannt, in der die Hexen und Druden auf den Kreuzwegen tanzten.

Ein Gedicht über die Drud lautet folgendermaßen:

D’Drud hout mi druckt,
af da Brust is ma gsessn,
hout mi druckt wöi niat gscheit.
D’Luft is ma wegbliebn,
druckt hot’s di ganz Zeit.
Wenns druckt höit nu weida,
höit i brauchat bal an Sarg.

Sagen von der Drud

Die Drud (Volksmund Altenschwand)

Einen Bauern aus Altenschwand drückte oft die Drud. Eines Nachts sprang er aus dem Bett und machte Licht. Aber er hatte nur eine schwarze Hühnerfeder in Händen. Diese schlug er mit dem Dengelhammer in Fetzen. Am nächsten Morgen kam die alte Nachbarin und wollte eine Sichel ausleihen. Da war die Drud enttarnt und der Mann hatte von dieser Stunde an Ruhe.

Die Drud (Eslarn)

In einem Eslarner Haus stand ein geheimnisvolles Bett. Wer darin schlief, wurde von der Drud gedrückt. Ein Spötter wollte das nicht glauben und legte sich für eine Nacht hinein. Er lehnte das geladene Gewehr vor sich hin. Zwei gute Freunde wachten bei ihm. Die Mitternacht rückte näher, da fing der Schläfer auf einam zu stöhnen und zu ächzen an und wurde ganz blau im Gesicht. Aus Furcht, er könne ersticken, riefen ihn die anderen beim Namen, worauf er aufsprang und das Gewehr durchs Fenster abschoss. Nun erzählte er, wie ein altes Weib mit grauen Haaren durch das Fenster auf ihn zukam und sich ihm auf die Brust setzte, so dass es ihm den Atem benahm. Er wäre sicher erstickt, wenn sie ihn nicht geweckt hätten. Da sei die Alte zum Fenster hinausgewischt und er habe ihr nachgeschossen. Nun stellte man die Füße der Bettstatt auf Ziegelsteine, diese aber in ein Gefäß mit Wasser, und von da an war Ruhe.

Die erlöste Drud

Ein Knecht hatte die Kleinmagd im Verdacht, dass sie eine Drud sei, weil er hörte, wie sie öfters des Nachts von ihrer Schlafkammer in die Stube hinabging. Einmal blieb er abends dort zurück und versteckte sich hinter dem Ofen. Um Mitternacht kam die Magd herein, nahm zwei Schleißen (Kienspäne) vom Herd, entzündete sie, steckte sie dann kreuzweise in den Leuchter und murmelte dabei etwas vor sich hin  und – hui! War sie hinaus zum Fenster. Der Knecht sah, wie die Späne abbrannten bis zur Kreuzung, er schlich vor und ersetzte die abgebrannten Stumpen durch neue Späne. Kaum war er in sein Versteck zurückgeschlüpft, als die Magd wieder zum Fenster hereinkam. Erstaunt sagte sie als sie die anscheinend  noch nicht genügend  weit verbrannten Schleißen sah: „Ei, so muss ich wirklich nochmal hinüber und des Nachbars Kind ganz erdrücken.“ „Halt!“ rief der Knecht hinter dem Ofen hervor, „hab ich dich, du Drud!“.- „Gott sei Dank!“, seufzte die Magd, „ich bin erlöst von meiner Verwünschung; du hast mich beschrien, nun hast du meine Qual.“ Wie Schauer überrieselte es da den Knecht, und er fühlte einen fremden Geist in sich fahren. „Wie soll ich es nur machen!“, lamentierte er. „Sag nur: Hui aus überall und nirgends an!“, belehrte die Erlöste.- „Hui aus und nirgends an!“ zitterte der Knecht unter dem fremden Banne, und wie der Wind flog er durch das Fenster, gleich das Fensterkreuz mitnehmend. Am andern Morgen fand man ihn tot im Hofe liegen, er hatte sich am Holzstoß den Schädel eingerannt.

Mit einer Drud musste sich einmal sogar das Königlich Bayerische Amtsgericht auseinandersetzen:

=> Königlich Bayerisches Amtsgericht – Die Drud